Spreewald-Radmarathon 2010 ... oder "Ich bin dann mal kurz Gurken holen". Als Erster der Saisonhöhepunkte 2010 war der Spreewaldmarathon (hier meine Bilder) am 17.04.2010 anvisiert. Auf dem Programm steht ein 200km Radmarathon, für dessen erfolgreiche Absolvierung eine "Goldene Gurke" als Trophäe winkt. Gemeinsam mit Andy ging es bereits am Vorabend nach Lübben in den Spreewald, um die Anmeldeformalitäten abzuwickeln. Wir holten unsere Startunterlagen in der Touristeninformation Lübben ab. Ich bekam Startnummer 79, Zufall oder ein guten Ohmen? Nachdem wir auch unser Quartier für die Nacht bezogen hatten, gönnten wir uns jeder noch eine Pizza Hawaii vom örtlichen Pizzadienst. Vollgefressen ging's dann auch pünktlich ins Bett, schließlich sollte der Marathon am nächsten Morgen bereits um 8 Uhr gestartet werden. weiterlesen...
Am nächsten Morgen klingelte pünktlich sechs Uhr der Wecker. Nach anschließendem Frühstück und Grübleln, welche Kleiderordnung auf Grund der morgendlich noch sehr frischen Temperaturen zu wählen wäre, rückte der Start immer näher. Die Sonne stieg über die Dächer von Lübben und versprühte die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Dadurch war es bereits früh morgens nicht ganz so kalt wie befürchtet. Kurz vor 8 rollten wir vom Quartier zum Start auf der Schlossinsel, wo sich bereits ein illustres Feld an Radler versammelt hatte. Püntklich 8 Uhr wurden die ca. 300-400 "Verrückten" vom Lübbener Nachtwächter auf die 200km-Reise geschickt. Zögerlich setzte sich das Peloton in Bewegung und schlängelte sich über die kleine Brücke von der Schlossinsel auf die Strasse. Ein langezogenes Feld schlängelte hinaus auf die Strecke. Andy und ich orientierten uns nach vorne, wo wir Jens aufsammelten und uns zu dritt nach vorn in Richtung vorderes Feld arbeiteten. Zügig ging es voran. Teilweise mit etwas höheren Pulswerten als wir uns vorgenommen hatte. Mit den Energiereservien haushalten, ist bei 200km auch nötig, sonst bekommt man die Quittung am Ende doppelt und dreifach. Bei km 20 hätte es Andy fast gelegt, als vor ihm ein Rennradler mit Scheibenbremsen (die deutlich besser bremsen), bremste und Andy leicht draufkrachte und ins Schlingern geriet. Aber mit Reflex und Geschick konnte er den Sturz gerade noch vermeiden. Im Anschluss waren wir hauptsächlich darauf bedacht, dem orangenen Radler mit dem orangenen Rennrad mit den Scheibenbremsen aus dem Weg zu gehen. In flottem Tempo und ohne weiteren Vorkommnisse ging es in Richtung erstem Kontroll- und Verpflegungspunkt in Krausnick (km 48). An jeder Kontrolle dasselbe Spiel: Stempel abholen und Energie in Form von Getränken, Obst, Gurken und Schnittchen nachlegen und wieder aufs Rad. Wurde bisher in einem großen Feld gefahren, wurde das Peloton erwartungsgemäß in viele Grüppchen zerteilt. Nach ein paar km bildete sich ein schönes Grüppchen, in dem flott, aber nicht zu flott gefahren wurde. Beine, Hintern und Kondition fühlten sich noch gut an. Einziges Problem macht dann meine Kontaktlinse, die sich dann überlegte einfach mal aus dem Auge fallen zu müssen. Ich konnte sie unter der Radbrille einklemmen und anhalten um sie wieder reinzufummeln. Aber die Gruppe war natürlich weg und allein gabs keine Chance diese einzuholen. Zum Glück kam von hinten die nächste Gruppe, wo ich ransprinten und mich anhängen konnte und wußte, dass Jens und Andy spätestes am nächsten Kontrollpunkt warten würde. Andy wartet dann schon im nächsten Ort und erkundigte sich was los war. In der Gruppe rollten wir dann weiter und am 2. Verpflegungspunkt im Eurocamp Leuthen erwartet Jens und bereits (km 70). Nach kurzer Stärkung machten wir uns auf die weitere Reise. Nach wie vor recht flott, oftmals durch Tempoarbeit von Jens, der die ganze Zeit echt stark fuhr, flogen wir über die Strassen des Spreewaldes. Abwechselnd in der Führung hielten wir die Gruppe am Laufen, auch wenn keiner der anderen so richtig fahren wollte oder konnte. Dann kam es zur Streckenvereinigung mit der 70km. Da dort auch nicht so geübte und trainierte Radler fahren, waren die folgenden Kilometer von ständigem Überholen der langsameren Radler geprägt. Zum Glück verlief das aber problemlos. Nur meine Kontatklinse machte sich schon wieder bemerkbar und fiel wieder heraus. Das spiel kannte ich ja schon. Kurz sagt ich Jens Bescheid, hielt an, fummelte sie wieder ein und sprintete voll im Anschlag der Gruppe hinterher und sammelte dabei Andy ein, der auf mich wartet. Nach ein paar km "Zeitfahren" waren wir wieder vorn in der Gruppe bei Jens und rollten zum 3. Kontrollpunkt (km 101). Bis hierhin war meine Linse das größte Problem im bisherigen Marathon, alles anderen fühlte sich überraschenderweise besser an als erwartet. Die Strecke für die 200km zweigte von der der anderen ab und so wurde es ruhig und wir konnten zu dritt unser Tempo fahren. Mein Linse flog das dritte mal raus und landete durch den Wind irgendwo in den weiten der Graslandschaft im Strassenrand. Ich suchte sie gar nicht erst. So war ich zumindest das Problem los, jetzt allerdings als "Einäugiger" unterwegs. Teurer Marathon kann man ob des Verlusts auch sagen. Im weiteren Verlauf gesellten sich weitere Fahrer in unser Grüppchen. Da zwei davon das Fichkona-Trikot trugen (NonStop-Radmarathon vom Fichtelberg zum Kap Arkona auf Rügen, 601km) überließen wir denen zunächst die Führungsarbeit. Im weiteren Verlauf lief die Gruppe gut und die Führung wurde schön durchgewechselt. Und wie jedesmal, wenn vorn am Horizont ein Grüppchen erspäht wurde, zog fast Tempo an. Vorallem mit Jens gingen beinahe jedesmal die Pferde durch. Da hieß es für mich irgendwie dran bleiben. Auf den Puls durfte man zu der Zeit teilweise gar nicht mehr schauen, war ja gerade mal Halbzeit gewesen. Im 4. Kontrollpunkt in Lieberose (km 125) gabs dann neben Obst und Gurken auch Wiener und Brötchen. Nach kurzer Pause ging's weiter. Doch bevor wieder Tempo gemacht wurde, gab’s ein dringend notwendiges "Gruppenpinkeln" am Strassenrand. In bester Tour-de-France-Manier standen die Heroen des Marathon mehr oder weniger aufgereiht am Strassenrand. Mit verringertem Gewicht konnte es weiter gehen. Ein gut laufendes Grüppchen machte auf den nächsten ca 15km ordentlich Betrieb. Und dann kam die Gegenwindpassage, wo die Kräfte bei (fast) allen Beiteiligten spürbar schwanden. Die Luft war bei den meisten anderen Mitstreitern überwiegend raus und es ging nicht mehr viel. Ich war gerade mit meiner Führung zu Ende und ließ mich ans Ende der Gruppe fallen um mich zu erholen, als uns ein Traktor überholte. Andy, der gerade vorn fuhr, klemmte sich in dessen Windschatten und Jens tat es ihm gleich. Ich hatte von hinten keine Chance schnell genug vorzuspringen, überlegte aber kurz ob ich erneut einen Sprint einlegen sollte, ließ es aber bleiben da ich langsam aber sicher die bereits gefahren km und die Führungsarbeit in den Beinen spürte. Die beiden zogen im Windschatten davon. Spätestens bei der Verpflegung würden sie dann halt warten müssen und blieb in der Gruppe. Jedoch lief die Gruppe nicht mehr so richtig. Kaum einer wollte/konnte fahren und so sank das Tempo oftmals unter 30km/h. Die nächsten ca 20km waren dann einfach irgendwie Durchbeißen und fahren, fahren, fahren. Gemeinsam mit einem andere Kollege wechselten wir uns in der Tempoarbeit ab. Lohn der Quälerei war das Erspähen der Gruppe mit Andy und Jens ca. 300m vor uns. Das spornte nochmal an und irgendwie schafften wir es, dort ranzufahren. Ich klemmte die ganze Zeit eigentlich nur im Unterlenker und ging in den Windschatten von Andy und Jens. Aber statt auszuruhen, machte Jens gleich wieder Tempo, aber er hatte noch nicht mitbekommen, dass ich am Hinterrad war. Umso überraschter war er dann, als er mich an seinem Hinterrad sah. Auch er hatte nicht damit gerechnet, mich vor dem Kontrollpunkt wiederzusehen. Wir rätselten, ob und wann denn nun die letzte Verpflegung kam, da meine Trinkflaschen wegen der Verfolgung fast leer war. Drei Kurven weiter kam dann die letzte Verpflegung 30km vor dem Ziel (km 170). Allerdings war dort fast alles alle. Wir ergatterten noch den letzten Schluck Tee und ein paar Äpfel und Wasser. Jetzt konnten dann auch die von Beginn an mitgeführten Bananen zum Einsatz. Halbwegs gestärkt, aber nicht mehr wirklich fit ging's auf die letzten 30km 3er-Mannschaftszeitfahren, Jens, Andy und ich. Wurde zuvor bereits eine Gruppe nach der anderen ein- und überholt, war jetzt erst richtig Überrollen angesagt. Man sah den anderen (auch von den kürzeren Strecken), die wir einholten deutlich an, dass viele davon total fertig waren. Wir drei wechselten uns in der Führung ab, wobei vorallem Jens immernoch kräftig Tempo machte. Kurz vpr Lübbenau schlossen wir auf eine Gruppe auf, die sich freute, dass "die Leipziger jetzt Tempo machen". Jedoch konnte sie das Tempo nur kurz halten. Ein Verkehrsschild verkündete noch 2km bis Lübbenau. Das verleitet Jens und Andy den "Zielsprint" einzuleiten. Ich versuchte jetzt nur noch irgendwie dran zu bleiben. Ortseingangsschild Lübbenau, ein kurzer Blick auf den Tacho zeigte knapp190km. Ich hatte jetzt wieder halbwegs Luft, um Jens drauf hinzuweise, dass wir noch bis nach Lübben müssen, und dass das noch nicht der Zielort ist. Also wurde das Tempo wieder erhöht. Ständig überholend flogen wir die letzten 10km gen Lübben, nur gestoppt von einer Bahnschranke kurz vor dem Ziel. Dann erreichten wir Lübben und bogen auf die Schlossindel in Richtung Ziel ein. Der Schnitt auf den letzten 30km muss wohl so etwa 36+ gewesen sein. Auf er Schlossinsel erwartet uns erstmal ein Stau an Radler vor der Ziellinie. Die Ursache konnte dann schnell ausgemacht werden. Die Belohnung für die erfolgreiche Absolvierung jeder Strecke, die Gurke am Band, bekam jeder direkt unter dem Zielbanner umgehängt. Nach kurzem warten, waren auch wir drei dran und bekamen von Damen in Spreewaldtracht die goldene Gurke umgehangen. Glücklich, stolz die 200km bewältigt zu haben aber auch geschafft waren wir im Ziel und gönnten uns eine Erbsensuppen, die wir auf der Wiese in strahlendem Sonnenschein genossen. Wir verabschiedenen uns von Jens und rollten mit Gurke und Urkunde in Richtung Auto. Dann noch schnell Duschen und was Essen und es ging zurück in Richtung Leipzig. Eine schöne Veranstaltung. Auch wenn es hintenraus hart war, hat es Spass gemacht und die goldene Gurke der verdiente Lohn. Ob das in dieser Länge und Intensität nochmal sein muss, sei zunächst dahingestellt. Mein Augenmerk richtet sich jetzt erstmal auf die Neuseenclassics. Am Ende standen knapp 200km mit einem 32er Schnitt auf der Uhr. |